Gesundheitlich bedenklich oder unproblematisch?
Die Wahl des Bodenbelags gehört zu den wichtigsten Entscheidungen beim Bauen oder Renovieren eines Hauses. Neben Optik, Preis und Pflegeaufwand spielt zunehmend auch die Frage nach möglichen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt eine Rolle. Besonders häufig diskutiert werden dabei zwei weit verbreitete Beläge: Vinylboden und Laminatboden. Beide Materialien sind in den letzten Jahren technisch stark weiterentwickelt worden und gehören heute zu den meistverlegten Böden im Wohnbereich. Gleichzeitig stehen sie immer wieder in der Kritik, weil sie aus industriell hergestellten Materialien bestehen und chemische Zusatzstoffe enthalten können.
Vinylboden – Kunststoff mit chemischen Zusatzstoffen
Vinylboden besteht überwiegend aus Polyvinylchlorid (PVC), einem synthetischen Kunststoff, der aus fossilen Rohstoffen und Chlorchemie gewonnen wird. Damit der Boden elastisch bleibt, werden Weichmacher zugesetzt, von denen viele nicht fest im Material gebunden sind. Das bedeutet: Diese Stoffe können über Jahre ausgasen oder sich im Hausstaub ablagern. Klassische Weichmacher wie Phthalate sind als hormonell wirksam bekannt und werden in der Baubiologie kritisch betrachtet.
Darüber hinaus enthalten PVC-Beläge oft Stabilisatoren, Flammschutzmittel, Farbpigmente und weitere Additive. Einige dieser Stoffe können toxisch wirken oder persistent sein, das heißt, sie bauen sich in der Umwelt nur langsam ab. Auch die glatte, diffusionsdichte Oberfläche verhindert, dass Feuchtigkeit aus dem Bodenaufbau entweichen kann, wodurch latent Feuchteschäden im Untergrund oder an den Randbereichen entstehen können.
Aus baubiologischer Sicht gilt daher: PVC-Böden sind grundsätzlich problematisch, da sie eine dauerhafte chemische Belastung der Innenraumluft verursachen können, insbesondere in Räumen mit hoher Belegung oder schlechter Lüftung.
Laminatboden – Holzwerkstoff mit Beschichtung
Laminatboden besteht aus hochverdichteten Holzfaserplatten (HDF), die mit synthetischen Harzen verleimt sind. Die gebräuchlichsten Bindemittel enthalten Formaldehyd, ein stark flüchtiger Stoff, der zu Reizungen der Atemwege, Augen und Haut führen kann. Auch wenn europäische Grenzwerte für Formaldehydemissionen eingehalten werden, betrachtet die Baubiologie selbst niedrigste Emissionen kritisch, da langfristige, kumulative Belastungen möglich sind.
Auf dieser Trägerplatte befindet sich eine dekorative Druckschicht mit Holz- oder Steinoptik, die von einer transparenten Nutzschicht geschützt wird. Zusätzlich werden Laminatböden mit Lacken und Klebstoffen versehen, die weitere chemische Emissionen freisetzen können. Laminat ist wie Vinyl diffusionsdicht, puffert also keine Feuchtigkeit, was aus baubiologischer Sicht die Raumluftbelastung durch Feuchtigkeit und Schimmelrisiken erhöhen kann.
Innenraumluft und Emissionen
Beide Bodenbeläge geben VOC (volatile organic compounds) und semi-flüchtige Stoffe an die Raumluft ab. Während der Verlegung können diese Emissionen kurzfristig hoch sein, später setzen sie sich in Hausstaub ab. Empfindliche Menschen, Kinder und Personen mit Atemwegserkrankungen sind besonders gefährdet. Baubiologen sehen solche Emissionen als dauerhafte Belastung, die auch bei modernen Produkten nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
Baubiologische Bewertung
In der Baubiologie werden Baustoffe nicht nur nach Grenzwerten beurteilt, sondern auch nach grundsätzlichen Kriterien für gesundes Wohnen. Dazu gehören beispielsweise Natürlichkeit, geringe chemische Belastung und gute Recyclingfähigkeit.
Aus dieser Perspektive werden sowohl Vinyl- als auch Laminatböden kritisch betrachtet. Vinyl besteht vollständig aus Kunststoff und enthält verschiedene Zusatzstoffe. Laminat basiert zwar teilweise auf Holz, enthält jedoch industrielle Bindemittel und Oberflächenbeschichtungen.
Aus biologischer Sicht sind deshalb Materialien mit möglichst wenigen chemischen Zusätzen zu bevorzugen. Dazu zählen etwa Massivholz, Parkett, Kork, Linoleum oder mineralische Beläge. Diese Materialien können zudem teilweise Feuchtigkeit puffern und so zu einem stabileren Raumklima beitragen.
Ökologische Aspekte
Neben der Gesundheit spielt auch die Umweltbilanz von Bodenbelägen eine wichtige Rolle. Vinyl basiert teilweise auf fossilen Rohstoffen und wird in energieintensiven chemischen Prozessen hergestellt. Chlorhaltige Nebenprodukte können umwelttoxisch sein. Auch die Entsorgung von PVC ist aufwendig, da der Kunststoff nur begrenzt recycelt wird.
Laminat hat in dieser Hinsicht einige Vorteile, weil der Hauptbestandteil Holz ist. Allerdings werden bei der Herstellung ebenfalls Kunstharze, Beschichtungen und hohe Primärenergie benötigt. Zudem ist Laminat nach der Nutzung oft schwer zu recyceln, weil mehrere Materialschichten fest miteinander verbunden sind.
Fazit
Baubiologisch betrachtet sind beide Materialien somit grundsätzlich belastend für Umwelt und Innenraumklima, auch wenn moderne Produkte geringere Emissionen aufweisen.
Aus baubiologischer und ökologischer Sicht werden daher häufig natürliche Alternativen bevorzugt. Wer sich dennoch für Vinyl oder Laminat entscheidet, sollte auf hochwertige, emissionsgeprüfte Produkte achten und nach der Verlegung für ausreichende Lüftung sorgen. Die wichtigste Erkenntnis aus der aktuellen Forschung lautet daher: Nicht der Materialname allein entscheidet über mögliche Belastungen, sondern vor allem die Qualität des jeweiligen Produkts und die Bedingungen im Wohnraum.
Über den Autor:
Mag. Wolfgang Strasser ist Lebensraumberater und -coach, Unternehmens- und Kommunalberater. Mit RAUMIMPULSE berät er Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensräume.
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