Schimmel im Neubau

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Bild Schimmelpilz von Delfina auf Pixelio

Warum immer mehr neue Häuser betroffen sind

Viele Bauherren erwarten von einem Neubau vor allem eines: ein gesundes, trockenes Wohnklima. Umso größer ist die Überraschung, wenn bereits wenige Monate nach dem Einzug dunkle Flecken an Wänden oder ein muffiger Geruch auftreten. Schimmel im Neubau ist längst kein Einzelfall mehr. Bauphysiker und Sachverständige beobachten seit Jahren, dass moderne Gebäude sogar häufiger betroffen sein können als ältere Häuser. Doch woran liegt das?

Ein Widerspruch der Moderne

Auf den ersten Blick scheint Schimmel in neuen Häusern paradox. Schließlich werden Gebäude heute mit hochwertigen Materialien, moderner Dämmung und ausgefeilter Bauphysik errichtet. Gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an Energieeffizienz und Baugeschwindigkeit – Faktoren, die das Risiko von Feuchtigkeitsproblemen erhöhen können.

Was viele überrascht: Dieses Problem tritt heute immer häufiger gerade in Neubauten auf.

Das Haus bringt sein eigenes Wasser mit

Ein Neubau ist zunächst einmal ein sehr feuchtes Gebäude. Beim Bau werden enorme Mengen Wasser verwendet: Beton, Estrich, Putz und Mörtel enthalten viel Anmachwasser. In einem Einfamilienhaus können mehrere tausend Liter Wasser in den Baustoffen stecken. Früher hatten Gebäude oft Monate oder sogar Jahre Zeit, um vollständig auszutrocknen. Heute wird ein Haus häufig direkt nach der Fertigstellung bezogen – während ein Teil der Baufeuchte noch in Wänden und Böden steckt. Diese Feuchtigkeit muss dann während der Nutzung aus dem Gebäude heraus.

Moderne Häuser sind fast luftdicht

Ein weiterer Grund liegt in der Bauweise selbst. Moderne Gebäude sind sehr gut gedämmt und nahezu luftdicht gebaut. Das spart Energie und Heizkosten – hat aber auch Nebenwirkungen. In älteren Häusern konnte Luft durch kleine Undichtigkeiten ständig entweichen. Mit ihr verschwand auch ein Teil der Feuchtigkeit. In modernen Gebäuden funktioniert das kaum noch. Feuchtigkeit aus Alltagstätigkeiten bleibt daher länger im Haus. Und davon entsteht mehr, als man denkt.

Ein Haushalt produziert täglich mehrere Liter Wasser

Allein durch das normale Leben entsteht erstaunlich viel Feuchtigkeit: Atmen und Schwitzen, Kochen, Duschen, Pflanzen, Wäsche trocknen. Eine vierköpfige Familie kann bis zu zehn Liter Wasser pro Tag an die Raumluft abgeben. Wenn diese Feuchtigkeit nicht regelmäßig abgeführt wird, steigt die Luftfeuchtigkeit – und Schimmel kann entstehen.

Schneller bauen, schneller einziehen

Auch der Zeitdruck im Bauwesen spielt eine Rolle. Viele Bauprojekte werden heute in sehr kurzer Zeit fertiggestellt. Für das vollständige Austrocknen von Estrich, Putz oder Beton bleibt oft weniger Zeit als früher. Wird ein Gebäude zu früh geschlossen oder bezogen, kann Restfeuchte im Baukörper bleiben.

Glatte Oberflächen statt feuchteregulierender Materialien

Viele moderne Innenräume bestehen aus Materialien, die kaum Feuchtigkeit aufnehmen können: Fliesen, Glasflächen oder versiegelte Farben.

Traditionelle Baustoffe wie Kalkputz oder Massivholz konnten Feuchtigkeit teilweise zwischenspeichern und später wieder abgeben. Dadurch wurde das Raumklima stabilisiert. Diese natürliche „Feuchtepufferung“ fehlt heute oft.

Was das bedeutet

Schimmel im Neubau ist deshalb selten nur ein einzelner Fehler. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen: Baufeuchte, luftdichte Gebäudehüllen, kurze Bauzeiten, verändertes Wohnverhalten.

Moderne Häuser funktionieren deshalb anders als ältere Gebäude. Sie benötigen entweder bewusstes Lüften oder technische Lüftungssysteme, damit die Feuchtigkeit aus dem Gebäude entfernt wird.

Fazit

Der Neubau ist kein automatisch schimmelfreies Gebäude. Im Gegenteil: Gerade moderne, energieeffiziente Häuser reagieren sensibel auf Feuchtigkeit. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann jedoch früh gegensteuern – und dafür sorgen, dass das neue Zuhause auch langfristig gesund bleibt.


Über den Autor:

Mag. Wolfgang Strasser ist Lebensraumberater und -coach, Unternehmens- und Kommunalberater. Mit RAUMIMPULSE berät er Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensräume.

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