Innendämmung

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Bild Baubiologisches Institut Österreich

Bauphysikalische Gratwanderung mit baubiologischem Anspruch

Mit seltenen Malereien oder bauhistorischem Stuck verzierte Außenfassaden, denkmalgeschützte Gebäude oder Bauernhöfe mit Bloßsteinmauerwerk. Es gibt viele Gründe, wieso eine Alternative zur Dämmung der Außenwände gesucht wird. In diesen Fällen bietet sich eine Innendämmung an, bei der die Fassade des Gebäudes unberührt bleibt. Doch sie gilt zu Recht als bauphysikalisch anspruchsvoll und verlangt einen besonders sorgfältigen Wandaufbau und Materialwahl, wenn neben Energieeffizienz auch Feuchteschutz und Wohngesundheit berücksichtigt werden sollen.

Im Gegensatz zur Außendämmung verschiebt die Innendämmung die thermische Hülle nach innen. Die massive Außenwand liegt dadurch im Winter deutlich kälter, während warme Raumluft auf die Innendämmung trifft. Daraus ergeben sich mehrere kritische Punkte:

  • Tauwasserbildung an der Grenzfläche zwischen Dämmung und Bestandswand
  • Feuchteanreicherung im Mauerwerk
  • Erhöhtes Schimmelrisiko bei Fehlstellen oder ungeeigneten Materialien
  • Verlust der Wärmespeicherfähigkeit der Außenwand für den Innenraum

Die zentrale bauphysikalische Frage lautet daher:
Wie kann Feuchte sicher abgeführt oder gepuffert werden, ohne die Konstruktion zu schädigen?

Früher wurde häufig mit Dampfbremsen gearbeitet, die den Feuchteeintrag aus dem Raum reduzieren. Der bauphysikalische Aspekt ist kritisch und die Lösung ist fehleranfällig (Anschlüsse, Durchdringungen). Aus baubiologischer Sicht wird einer diffusionsoffenen, kapillaraktiven Bauweise der Vorzug gegeben.

Diffusionsoffene, kapillaraktive Innendämmung

Diese Systeme setzen darauf, dass Feuchtigkeit nicht eingeschlossen, sondern kontrolliert transportiert und gepuffert wird. Entscheidend ist die Kapillarität des Dämmstoffs. Dabei gilt es, das Hinterströmen des Dämmsystems mit warmer Raumluft zu verhindern sowie Tauwasserschäden an einer gegebenenfalls vorhandenen Holzkonstruktion zu vermeiden

Vorteile: Geringes Risiko von Feuchtestau, hohe Fehlertoleranz und sehr gut geeignet für Altbauten mit inhomogenem Mauerwerk.

Nachteile: Dämmstärken meist begrenzt und etwas geringere Dämmwirkung als Hochleistungsdämmstoffe.

Baubiologische Materialwahl – mehr als nur Dämmwert

Die Baubiologie betrachtet den Menschen im Gebäude. Neben Wärme- und Feuchteschutz spielen daher auch Schadstofffreiheit, Feuchteregulierung, Raumklima und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Weniger empfehlenswert aus baubiologischer Sicht sind synthetische Schäume oder stark dampfdichte Systeme ohne Feuchtemanagement.

Besonders bewährt haben sich:

Kalciumsilikatplatten: Hoch kapillaraktiv, schimmelhemmend durch hohen pH-Wert, sehr gut für schimmelgefährdete Bereiche, mineralisch, jedoch energieintensive Herstellung. Alternativen sind Ton- und Lehmbauplatten.

Holzfaser-Innendämmplatten: Diffusionsoffen und feuchteregulierend, hervorragende Wärmespeicherung, angenehmes Raumklima, nachhaltiger Rohstoff.

Lehmgebundene Systeme: Exzellente Feuchtepufferung, Verbesserung der Raumluftqualität, ideal in Kombination mit Lehmputzen, begrenzte Dämmwirkung, eher ergänzend.

Möglicher Wandaufbau: ggf. Abtragen ungeeigneter Altmaterialien – Aufbringen eines Lehmmörtels (konservierende Wirkung auf Holzkonstruktionen) – Verklebung von Mineraldämmplatten (gegen Schwamm- und Schimmelbefall resistent) mit dem Lehmmörtel (hohlraumfrei) – Lehm-Unterputz mit ganzflächiger Gewebeeinlage – Lehm-Oberputz durch reiben und filzen – Innenfarbe, wie Kalk- oder Lehmfarbe.

Details entscheiden – Planung ist alles

Eine funktionierende Innendämmung steht und fällt mit der Detailplanung:

  • Wärmebrücken an Decken, Innenwänden und Fensterlaibungen
  • Luftdichte, aber diffusionsoffene Anschlüsse
  • Berücksichtigung des vorhandenen Wandaufbaus
  • Feuchte- und Salzbelastung im Bestand
  • Ausrichtung der Wand, insbesonders wegen Schlagregenbelastung

Eine hygrothermische Simulation kann helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Konstruktion abzusichern.

Fazit: Innendämmung ist schwierig – aber machbar.

Eine Innendämmung sollte nur gemacht werden, wenn es unbedingt notwendig ist. Mit Experten und Firmen, die Erfahrung damit und die Bauphysik im Griff haben. Und eine baubiologische Ausführung im Blick haben. Auf eine Absicherung der Gewährleistung sollte jedenfalls geachtet werden.

Der Schlüssel liegt in:

  • Verständnis der bauphysikalischen Zusammenhänge
  • Auswahl kapillaraktiver, baubiologisch sinnvoller Materialien
  • Sorgfältiger Planung und handwerklich präziser Umsetzung

Wer diese Aspekte berücksichtigt, schafft nicht nur warme Wände, sondern auch gesunde Räume.

Weitere Infos bei:
Baubiologisches Institut Österreich
Fachverband Innendämmung (FVID e.V.), Deutschland
WTA International, Referat 6 (Bauphysik), Arbeitsgruppe Innendämmung


Über den Autor:

Mag. Wolfgang Strasser ist Lebensraumberater und -coach, Unternehmens- und Kommunalberater. Mit RAUMIMPULSE berät er Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensräume.

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