Schnurlos-Telefon

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Dauerfunker im Haus

Schnurlose Telefone gehören zur Standardausstattung vieler Haushalte, besonders in Seniorenwohnungen. Sie bieten Bewegungsfreiheit beim Telefonieren und sind bequem zu bedienen. Doch aus elektrobiologischer Sicht sind DECT-Telefone zu hinterfragen. Baubiologen und Umweltmediziner weisen darauf hin, dass diese Geräte eine permanente Quelle hochfrequenter Funkstrahlung in Innenräumen sein können. Dieser Artikel beleuchtet, was hinter der Technik steckt, welche möglichen gesundheitlichen Aspekte diskutiert werden und welche Lösungen es gibt.

Was ist ein DECT-Schnurlostelefon?

Schnurlose Telefone funktionieren über Funk zwischen einem Handgerät und einer Basisstation. Diese Basisstation ist meist gleichzeitig Ladestation für den Akku. Je nach Bauweise können Gespräche innerhalb eines Radius von etwa 50 bis 300 Metern geführt werden – ganz ohne Kabel.

Der heute dominierende Standard heißt DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications). Er hat ältere analoge Systeme abgelöst. DECT-Telefone arbeiten digital und nutzen Mikrowellenfrequenzen im Bereich von etwa 1880 bis 1900 MHz. Die maximale Sendeleistung der Basisstation kann dabei rund 250 Milliwatt erreichen.

Ein entscheidender Unterschied zu früheren analogen Geräten: Während ältere Systeme nur während eines Gesprächs sendeten, arbeitet ein klassisches DECT-System mit einer dauerhaften Funkverbindung zwischen Basisstation und Handgerät. Die Basisstation sendet in vielen Modellen kontinuierlich – rund um die Uhr –, selbst wenn gar nicht telefoniert wird. Diese Signale sind zudem gepulst, meist mit etwa 100 Impulsen pro Sekunde.

Elektrobiologische Messungen zeigen deshalb häufig, dass DECT-Basisstationen zu den stärksten hochfrequenten Strahlungsquellen in Innenräumen gehören können – teilweise stärker als entfernte Mobilfunkanlagen außerhalb des Hauses.

Welche Gefahren werden diskutiert?

Die wissenschaftliche Bewertung hochfrequenter elektromagnetischer Felder ist komplex und teilweise umstritten. Internationale Grenzwerte orientieren sich vor allem an thermischen Effekten – also an der Erwärmung von Gewebe durch starke Strahlung. Kritiker aus der Umweltmedizin und Baubiologie weisen jedoch darauf hin, dass auch nicht-thermische Effekte, etwa durch gepulste Signale, möglich sein könnten.

In Studien und Erfahrungsberichten werden verschiedene Befindlichkeitsstörungen im Zusammenhang mit dauerhafter Funkbelastung diskutiert. Betroffene berichten beispielsweise über Schlafstörungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Schwindel, innere Unruhe oder Reizbarkeit, Herzklopfen oder Blutdruckveränderungen.

Ein direkter kausaler Zusammenhang ist wissenschaftlich nicht in allen Fällen eindeutig belegt. Dennoch weisen mehrere Forschungsarbeiten darauf hin, dass Langzeitwirkungen moderner Funktechnologien noch nicht vollständig erforscht sind.

Auch Behörden empfehlen daher eine vorsorgliche Reduktion unnötiger Strahlenquellen. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät im Rahmen des Vorsorgeprinzips generell dazu, persönliche Funkbelastung möglichst gering zu halten – besonders im häuslichen Umfeld.

Ein weiterer elektrobiologischer Aspekt ist die Nähe der Strahlungsquelle zum Körper. Beim Telefonieren befindet sich das Mobilteil direkt am Kopf. Gleichzeitig strahlt die Basisstation permanent in die Umgebung – häufig auch in Richtung von Schlaf- oder Aufenthaltsräumen.

Welche Lösungen gibt es?

Wer die mögliche Funkbelastung im Haushalt reduzieren möchte, hat mehrere praktische Möglichkeiten.

Kabelgebundenes Telefon nutzen

Die einfachste und effektivste Lösung ist ein klassisches kabelgebundenes Telefon. Diese Geräte erzeugen keine hochfrequenten Funkfelder und gelten aus elektrobiologischer Sicht als unproblematisch. Besonders Telefone mit sogenannter Piezo-Technik benötigen zudem keine zusätzlichen Netzteile.

Standort der Basisstation überdenken

Wenn ein schnurloses Telefon genutzt wird, sollte die Basisstation möglichst nicht in Schlafräumen stehen. Ein Standort im Flur oder Wohnzimmer kann die Strahlenbelastung in sensiblen Bereichen deutlich reduzieren. Dabei sollte man bedenken: Die Reichweite eines DECT-Telefons entspricht in etwa auch der Reichweite der ausgesendeten Funkfelder.

Moderne Geräte mit Eco-Modus verwenden

Neuere Geräte verfügen über sogenannte Eco- oder Low-Radiation-Modi. Diese bieten zwei wichtige Verbesserungen:

  • Abschaltung der Basisstation nach Gesprächsende, sodass keine Dauerstrahlung mehr vorhanden ist.
  • Reduzierte Sendeleistung des Mobilteils, wenn es sich nahe an der Basisstation befindet.

Allerdings muss dieser Modus bei manchen Geräten manuell aktiviert werden. Ein Blick in die Bedienungsanleitung lohnt sich daher.

Repeater und Kombigeräte beachten

In manchen Haushalten werden zusätzliche DECT-Repeater eingesetzt, um die Reichweite zu erhöhen. Diese funktionieren ebenfalls als Dauersender. Auch Faxgeräte oder Kombitelefone können integrierte DECT-Module enthalten, die permanent funken.

Fazit

DECT-Schnurlostelefone sind praktisch und weit verbreitet. Gleichzeitig stellen sie in vielen Wohnungen eine kontinuierliche Quelle hochfrequenter Funkstrahlung dar, da insbesondere ältere Geräte permanent senden. Aus elektrobiologischer Sicht kann dies zu einer unnötigen Dauerbelastung führen.

Ob und in welchem Ausmaß gesundheitliche Auswirkungen entstehen, wird in der Wissenschaft weiterhin untersucht. Dennoch empfiehlt sich ein vorsorglicher und bewusster Umgang mit Funktechnik im Haushalt. Wer seine persönliche Strahlenbelastung minimieren möchte, kann auf kabelgebundene Telefone zurückgreifen oder moderne DECT-Geräte mit automatischer Strahlungsabschaltung verwenden.

Schon kleine Maßnahmen – etwa ein anderer Standort der Basisstation oder das Aktivieren des Eco-Modus – können dazu beitragen, die Funkbelastung im eigenen Wohnraum deutlich zu reduzieren. Damit lässt sich Komfort beim Telefonieren mit einem verantwortungsvollen Umgang mit elektromagnetischen Feldern verbinden.


Über den Autor:

Mag. Wolfgang Strasser ist Lebensraumberater und -coach, Unternehmens- und Kommunalberater. Mit RAUMIMPULSE berät er Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensräume.

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