Der hörbare und der unhörbare Lärm
Grundsätzlich besteht Lärm aus Schallwellen, Schwingungen und Vibrationen. Schall selbst ist zunächst nichts Negatives – im Gegenteil. Viele Geräusche sind angenehm oder sogar lebenswichtig: Sprache ermöglicht Kommunikation, Vogelgezwitscher wirkt beruhigend und Warnsignale können Gefahren anzeigen.
Von Lärm spricht man, wenn Geräusche unerwünscht, störend oder gesundheitsschädlich sind. Dabei muss Lärm nicht unbedingt laut sein. Auch scheinbar kleine Geräusche können auf Dauer belastend wirken: ein knarrender Boden, das Piepsen eines Geräts, ein tropfender Wasserhahn oder das ständige Klappern beim Nachbarn.
Zudem wird Lärm sehr subjektiv wahrgenommen. Was für den einen angenehm ist, kann für andere zur Belastung werden. Ein Rockkonzert begeistert Musikfans – während andere dabei am liebsten flüchten würden.
Woher kommt Lärm?
Ein großer Teil des Lärms entsteht durch menschliche Aktivitäten, zum Beispiel Straßenverkehr, Flugzeuge und Züge, Industrie- und Baustellenlärm, Freizeitgeräte wie Rasenmäher oder Laubsauger, Nachbarschaftsgeräusche. Auch viele technische Geräte im Haushalt tragen zur Geräuschkulisse bei – etwa Kühlschränke, Lüftungsanlagen, Klimageräte, Fernseher oder Transformatoren in Elektrogeräten.
Wie hört der Mensch?
Das menschliche Gehör kann – zumindest in jungen Jahren – Frequenzen zwischen etwa 20 Hertz (Hz) und 20 Kilohertz (kHz) wahrnehmen. Mit zunehmendem Alter wird dieser Bereich kleiner. Geräusche außerhalb dieses Bereichs sind für uns normalerweise nicht hörbar, können aber trotzdem auf den Körper wirken. Man unterscheidet Infraschall – sehr tiefe Frequenzen unter 20 Hz und Ultraschall – sehr hohe Frequenzen über 20 kHz.
Wenn Lärm nicht hörbar ist
Obwohl Infra- und Ultraschall meist nicht bewusst gehört werden, können sie dennoch wahrgenommen werden – besonders bei höheren Schalldrücken. Infraschall wird oft als tiefes Brummen oder als Vibration im Körper beschrieben. Manche Menschen berichten von einem Gefühl von Druck oder innerer Unruhe. Ultraschall kann sich dagegen eher als Pfeifen, Fiepen oder Rauschen bemerkbar machen. Diese Geräusche dürfen nicht mit Tinnitus verwechselt werden, der im Ohr selbst entsteht.
Interessant ist: Manche Menschen reagieren besonders sensibel auf solche Frequenzen, während andere in derselben Umgebung nichts bemerken. Das führt nicht selten zu Missverständnissen, wenn Betroffene ihre Wahrnehmung schildern und andere sie nicht nachvollziehen können.
Wie misst man Lärm?
Die Stärke von Schall wird meist in Dezibel (dB) gemessen. Häufig verwendet man die Einheit dB(A), die sich an der Empfindlichkeit des menschlichen Gehörs orientiert.
Zur Orientierung: 0 dB – kaum wahrnehmbar, 60 dB – bereits deutlich hörbar, 90 dB – sehr laut, 110 dB – schmerzhaft, 130 dB – ohrenbetäubend.
Eine Besonderheit: Schon eine Erhöhung um 6 Dezibel bedeutet ungefähr eine Verdoppelung der Lautstärke.
Allerdings lässt sich die tatsächliche Belastung durch Lärm nicht allein mit Messwerten erfassen. Die Wirkung hängt stark davon ab, wie der Mensch den Schall wahrnimmt. Deshalb beschäftigt sich die sogenannte Psychoakustik mit der Bewertung von Geräuschen.
Brummen – ein unterschätztes Problem
Tiefe Brummtöne im Infraschallbereich können für Menschen besonders belastend sein. Sie sind schwierig zu lokalisieren und lassen sich von Gebäuden oder Schallschutzmaßnahmen oft nur schlecht dämpfen.
Solche tiefen Frequenzen entstehen beispielsweise durch Heizungs- oder Wasserpumpen, Ventilatoren und Lüftungsanlagen, Tiefkühlgeräte, Aufzüge oder Dieselmotoren oder große technische Anlagen. Auch große Bauwerke wie Brücken oder technische Infrastrukturen können solche Schwingungen erzeugen.
Wenn Gebäude vibrieren
Schall und Vibration hängen eng zusammen. Geräusche können über Bauteile eines Gebäudes weitergeleitet werden und sogenannte Schallbrücken bilden. Dadurch können Schwingungen in entfernten Räumen manchmal sogar stärker wahrgenommen werden als direkt neben der Quelle. Diese Vibrationen können langfristig sehr belastend sein und zu innerer Unruhe oder Nervosität führen.
Welche Auswirkungen hat Lärm auf die Gesundheit?
Lärm wirkt nicht nur auf das Gehör. Er beeinflusst auch das Nervensystem und den gesamten Organismus. Mögliche Folgen sind zum Beispiel Stress und Anspannung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen oder Übelkeit, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Belastungen, Ohrgeräusche oder Hörschäden.
Besonders problematisch ist, dass sich der Körper nicht wirklich an Lärm gewöhnt. Auch wenn wir glauben, ihn zu ignorieren, reagiert der Organismus weiterhin darauf. Kinder reagieren besonders empfindlich auf dauerhaften Lärm. Studien zeigen, dass starker Verkehrslärm beispielsweise Lern- und Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Was kann man gegen Lärm tun?
Ganz vermeiden lässt sich Lärm im Alltag kaum. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, die Belastung zu reduzieren:
Lärm möglichst meiden
Wenn möglich, sollten besonders laute Umgebungen gemieden werden – vor allem in Ruhezeiten.
Auf einen ruhigen Schlafplatz achten
Da unser Gehör auch im Schlaf aktiv bleibt, ist ein ruhiger Schlafraum besonders wichtig für die Erholung.
Gehörschutz nutzen
An lauten Arbeitsplätzen sollte geeigneter Gehörschutz selbstverständlich sein.
Bewusst handeln
Auch das eigene Verhalten beeinflusst die Geräuschkulisse. Türen laut zuschlagen, Fernseher sehr laut stellen oder Maschinen unnötig laufen lassen – all das trägt zur Lärmbelastung bei.
Ein wenig Rücksicht hilft oft schon viel. Denn während wir unseren Alltag gestalten, möchten andere vielleicht gerade schlafen, arbeiten oder sich einfach erholen.
Fazit
Lärm ist nicht nur ein akustisches Problem, sondern auch ein gesundheitlicher und sozialer Faktor. Neben lauten Geräuschen können auch tiefe Brummtöne, Vibrationen oder kaum wahrnehmbare Frequenzen belastend sein. Je bewusster wir mit Geräuschen umgehen – sowohl im eigenen Verhalten als auch bei der Gestaltung unserer Umgebung – desto besser lassen sich die Auswirkungen von Lärm auf unser Wohlbefinden reduzieren.
Über den Autor:
Mag. Wolfgang Strasser ist Lebensraumberater und -coach, Unternehmens- und Kommunalberater. Mit RAUMIMPULSE berät er Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensräume.
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